Oft wird Innovation in Deutschland noch immer auf ‚technische Neuerung' verkürzt. Es gibt jedoch zahlreiche Definitionen von Innovation und diese können helfen, das eigene Innovationsverständnis zu erweitern.
Sehen Sie selbst: die verschiedenen Facetten von Innovation und deren Vielschichtigkeit.
... aber auch die Bereitschaft zur Innovation – dies habe ich mir mit der Gründung von proInnovation vorgenommen. Aber warum sollte das überhaupt notwendig sein?
"Wer an Innovationen denkt, denkt nicht an Deutschland", stellte DIE ZEIT mal wieder fest. ForscherInnen und Ideen gibt es zwar, sogar Risikokapital, "aber es fehlt der Biss", so wird der Chef einer Forschungseinrichtung zitiert. Dies sei "ein kulturelles Problem im Land des Konsenses und der Versichertenmentalität". Der Befund wird von Forschungsinstitutionen wie dem WZB - Wissenschaftszentrum Berlin und der Hans-Böckler-Stiftung bestätigt, die die Schwäche bei den sog. "radikalen Innovationen" sehen.
In der Industriegesellschaft war "eine allmähliche und schrittweise Verbesserung bewährter Produkte und Verfahren" gefragt und hier, in der "inkrementellen Innovation", liegt die Stärke der Deutschen (AK 1999, S. 11). Nun, beim Übergang in die "Informationsgesellschaft" ist allerdings die Entwicklung fundamental neuer Produkte und Verfahrensweisen nötig. Gegen revolutionäre Umwälzungen sprechen jedoch kulturelle Werte und Eigenheiten in Deutschland. So werden hierzulande große Anstrengungen zur Unsicherheitsvermeidung unternommen: alles muss "seine Ordnung haben", es wird reglementiert, segmentiert, bürokratisiert.
Bei jeder neuen Idee sieht man sich sofort mit einer bedeutenden Anzahl von BedenkenträgerInnen konfrontiert, unzählige Interessengruppen müssen einbezogen werden, denn auch Experimente sollen konsensfähig sein - sonst wäre das Risiko zu groß! Hinzu kommt in diesem großen und noch immer reichen Land die Mentalität der Besitzstandswahrung, die zu mangelndem Interesse an neuen Wegen führt. Bei den Innovationen selbst gibt es eine Fixierung auf technologische Aspekte, die allerwichtigsten, die sozialen Innovationen werden dagegen gering schätzt.
Die Förderung der Innovationsbereitschaft und -fähigkeit ist also keine leichte Aufgabe. wenn es sich dabei um ein Mentalitätsproblem handelt. Allerdings gibt es keine Alternative dazu, denn es zeigt sich immer deutlicher, dass weder Forschungsförderung noch Risikokapital für sich alleine genommen viel ausrichten. Was kann man tun? In gängigen Rezepten werden Kreativitäts- und Chaosmanagementkurse verordnet, Zukunftswerkstätten veranstaltet, Trainings in sozialen Kompetenzen werden neuerdings hoch geschätzt. Das alles ist nicht falsch und überwiegend nützlich, greift aber zu kurz.
Chancen bieten sich dagegen vor allem durch den Kontakt mit anderen Mentalitäten. Der Erwerb interkultureller Kompetenz ist somit nicht nur nützlich für die notwendige Internationalisierung, die transnationalen Kooperationen helfen, die Innovationsfähigkeit zu erhalten, indem die eigenen Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden. Die eigenen Denkmuster und Verhaltensweisen werden als kulturell geprägt erkennbar. Im Kontakt mit anderen Wertvorstellungen, Organisationsstrukturen und Mana-gementstilen kann erfahren werden, dass es völlig andere Wege gibt, die Arbeit effizient und effektiv zu erledigen und die Innovationshemmnisse könnnen abgebaut werden. Sehen Sie hierzu auch: Interkulturelles
Im Moment wird - wieder einigermaßen kurzsichtig - über den Fachkräftemangel lamentiert. Kurzsichtig deshalb, weil es so scheint, als fehlten eben hier und da Menschen mit einer bestimmten - technischen - Ausbildung. Dabei wird übersehen, dass es hier nicht nur um hoch qualifizierte Arbeitskräfte geht, die gleichzeitig der Schlüssel für die Erschließung neuer Märkte sind, sondern auch um das kreative Potenzial.
Die Lehre der neuen Wachstumsforschung ist, dass die Bildung stärker gefördert werden muss. Deutschland liegt aber bei den Bildungsausgaben unter dem Durchschnitt aller OECD Länder. Nicht einmal jede/r Dritte eines Jahrgangs beginnt ein Studium, nur vier Industrieländer haben geringere Quoten.
"Natürlich kommt es darauf an, nicht nur mehr Geld für Bildung auszugeben, sondern es auch noch so zu tun, dass die Talente gefördert werden, die zur Innovationskraft beitragen. Aber solange Deutschland nicht mehr und nicht geschickter in Bildung investiert, wäre es zumindest verwunderlich, wenn hierzulande bald wieder ein Wunder geschähe". Die ZEIT vom 28.6.01, S. 15/16 Das Geheimnis des Wachstums.