10 Jahre proInnovation Dr. Anne Rösgen – ein Grund zum Feiern?

Newsletter 21 – Oktober 2008

Liebe LeserInnen,

im letzten Jahr bin ich immer wieder gefragt worden, wann denn der nächste Newsletter zu erwarten sei. Das hat mich gefreut und trotzdem hat es noch ziemlich lange gedauert, bis nun tatsächlich die nächste Ausgabe „reif“ ist. Es ist ein besonderer Newsletter, da er zur „Feier“ des zehnjährigen Bestehens von „proInnovation Dr. Anne Rösgen“ erscheint.

Es ist aber auch ein ganz gewöhnlicher Newsletter, der – wie immer - Informationen aus meiner Arbeit enthält. Nicht aus allen laufenden Projekten kann ich aktuell berichten, das würde zuviel. Aber sehen Sie selbst!

Wie immer freue ich mich über Rückmeldungen und grüße Sie herzlich

Unterschrift

INHALT

10 Jahre proInnovation

Interview mit Anne Rösgen

Neues aus den Projekten

 

10 Jahre proInnovation Dr. Anne Rösgen – ein Grund zum Feiern?

Eigentlich schon, denn alleine das Überleben als Freiberuflerin wäre ja schon ein Erfolg und ich kann ohne Übertreibung sagen, dass ich darüber hinaus meine wesentlichen Ziele erreiche (vgl. Interview). Leider ist das gemeinsame Feiern schwierig, wenn man in dem einen Bundesland lebt (Saarland), in dem man aber nicht arbeitet und alle KooperationspartnerInnen und KundInnen bundes- und europaweit verteilt sind.

Also muss auch die 10 - Jahrfeier sozusagen virtuell vonstatten gehen auch wenn sie dadurch etwas trocken ausfällt. Gerne nehme ich nicht nur Glückwünsche entgegen sondern auch Rückmeldungen aller Art anne.roesgen@proInnovation.de

Die Historie - was seit dem 1.1.1998 passiert ist - ist sicher nur für mich selbst spannend, aber vielleicht ist auch für Sie interessant, was es an Überraschungen dabei gab? (mehr)

Ich habe nachgeschaut, wer von Anfang an „dabei“ war und stellte fest, dass es bei den KundInnen die Académie de Grenoble und das luxemburgische Gleichstellungsministerium sind. Das hat mich verblüfft und gefreut, unterstreicht es doch die europäische Ausrichtung meiner Arbeit. Deutlich später (2001) kam das Sozialministerium Baden-Württembergs hinzu, ist aber heute mein größter Auftraggeber. Ziemlich lange habe ich auch für das Gender-Institut Sachsen-Anhalts (G/I/S/A) gearbeitet und hieraus haben sich ganz neue Kooperationen ergeben und nicht zuletzt die Gründung der proInnovation GmbH, Stuttgart.

Bei den KooperationspartnerInnen habe ich mit der Forschungsgemeinschaft für Außenwirtschafts-, Struktur- und Technologiepolitik, Berlin (FAST e.V.) die längste Geschichte.

Betrachtet man die Geschäftsfelder im Hinblick auf ihre Bedeutung, so war ich durchgängig als Evaluatorin tätig aber das größte Volumen hatte die Gleichstellung der Geschlechter.

Als – einziger - Auftragnehmer ist amides zu nennen, das Atelier für Medien- und Informationsdesign. Das besondere an dieser Kooperation mit Andreas Mischke ist, dass er sich nicht nur seit 1999 um die Gestaltung der Website und der „Drucksachen“, kümmert, sondern die Inhalte versteht und „in Form“ bringt.

Die nächste Überraschung erlebte ich, als ich meinen ersten Flyer wieder fand, denn als primäres Angebot war hier die „Projektentwicklung“ genannt, ein Geschäftsfeld in dem ich nie auch nur einen einzigen Auftrag bekommen habe. Aber überhaupt entwickelte sich das Geschäft zu Beginn ja gänzlich anders als erwartet, denn erstmal ging alles schief.

Geplant war ursprünglich, dass ich aus meiner vorherigen Arbeit heraus einen größeren Evaluierungsauftrag mitnehmen und auch in einem weiteren Projekt für meine ehemalige Arbeitgeberin tätig sein würde. Alles sah wasserdicht aus, nachdem Bewilligungen für öffentliche Gelder für diese Projekte in mehreren Bundesländern vorlagen. Niemand ahnte, dass der Träger kurzfristig aussteigen würde, obwohl schon viel Vorarbeit geleistet war. So wurde ich erstmal arbeitslos und musste die Existenz tatsächlich neu gründen. Geholfen hat in diesen schweren Jahren die wissenschaftliche Begleitung eines Projektes der Gründungsunterstützung für Frauen, denn nun konnte ich alle Instrumente gleich selbst anwenden und mir bei der Gründung immer wieder selbstkritisch über die Schulter sehen. Ein paar Sprüche aus dieser Phase hängen noch immer an meiner Pinnwand, völlig vergilbt inzwischen:

„Im Bemühen, nicht nur gute, sondern hervorragende Arbeit zu leisten, liefert man vielleicht 150 % und merkt nicht, dass auch 120 % schon mehr als genug sind“.

„Der Schlüssel ist, sich vom Markt finden zu lassen“.

Die erste Aussage leuchtete mir sofort ein (wenn ich auch heute noch damit kämpfe!) nur wie um Himmels willen sollte denn der Markt mich finden? Aber es ist tatsächlich immer wieder passiert und ich erinnere mich gut an die überraschenden Anrufe und Anfragen von AuftraggeberInnen, die auf zunächst verschlungen erscheinenden Wegen bei mir ankamen.

Bei der Durchsicht der in den 10 Jahren erschienen 20 Newsletter und anderer Unterlagen war ich überrascht von der erfreulichen Anzahl und Verschiedenartigkeit der Projekte und Aktivitäten. Zu schaffen machte mir aber offensichtlich insbesondere zu Anfang das das ständige Auf und Ab, die schnelle Folge von guten und schlechten Nachrichten. Nicht überraschend ist, dass ich mich immer wieder mit Fragen des Informationsmanagements beschäftigte, denn in meinen Gründungsjahren fand ja der Übergang zum internetgestützten Arbeiten statt und es galt mit vielen Gewohnheiten zu brechen.

Ich fand auch Fragen, über die ich noch heute nachdenke, für die es wohl keine Lösung ein für alle Mal gibt. Das ist zum einen die Dosierung der Arbeit. So erfreulich große und langjährige Projekte sind, so gefährlich sind sie auch, denn es ist schwierig „nebenher“ eine Vielfalt an Geschäftsfeldern und –beziehungen aufrecht zu erhalten. Da passiert es schnell, dass das Arbeitsvolumen zu groß wird. Das kann aber auch dadurch passieren, dass man bei der Akquisition neuer Aufträge „zu erfolgreich“ ist und nicht schnell genug die geeigneten KooperationspartnerInnen findet. Ein zu großes Arbeitsvolumen ist einem aber doch immer lieber als das Gegenteil. Eine weitere Frage, die mich noch immer beschäftigt ist das Verhältnis von Überzeugung und Professionalität. Insbesondere im Arbeitsfeld Gleichstellung der Geschlechter (aber nicht nur hier) trifft man auf sehr unterschiedliche Einstellungen, bisweilen auch Ideologien. Da ist es einerseits notwendig, die eigenen Werthaltungen offen zu legen, andererseits kann man sich im Hinblick auf potenzielle KundInnen nicht zu sehr festlegen, um sie nicht abzuschrecken.

 

Ausblick

Wenn ich es zu bestimmen hätte, dann könnte es genauso weitergehen wie es gerade ist, denn die Arbeit macht noch immer sehr viel Spaß, sie ist an- und bisweilen aufregend, fordernd aber auch bereichernd. Vorausgesetzt, die Mischung aus großen und kleinen Projekten, aus kurz – und langfristigen Aufträgen, aus verschiedenen Themen bleibt ebenso erhalten wie die Aktivitäten auf nationaler und europäischer Ebene.

Da ich dies in einer Situation schreibe, in der die Finanzkrise auf ihren Höhepunkt zusteuert und dies für uns alle bisher noch undenkbare Auswirkungen haben kann, käme es mir vermessen vor, mehr Wünsche zu äußern, gar den nach noch größerem wirtschaftlichen Erfolg. Da kommen im Gegenteil andere Werte (noch) mehr in den Mittelpunkt und somit wünsche ich mir, dass ich auch in den nächsten 10 Jahren wie bisher Solidarität, Kollegialität gemeinsame Entwicklung mit den spannenden Menschen in meinem beruflichen Umfeld erleben kann!

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Interview mit Anne Rösgen

Auf einer Tagung lernte ich Judith Braun (www.judith-braun.de) kennen und sie erzählte mir, dass sie sich nach vielen Jahren der Evaluationstätigkeit in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen nun auch selbständig gemacht hat. Es entwickelte sich ein Gespräch über die Beweggründe, diesen Schritt zu tun sowie über die hiermit zusammenhängenden Chancen und Schwierigkeiten. Die Fragen, die sie stellte, halfen mir, meine Reflektion über die letzten 10 Jahre meiner Selbständigkeit zu strukturieren. Wir fanden den Austausch beide so spannend, dass wir hier eine Zusammenfassung aufgeschrieben haben.

 

 

Fragen an Anne Rösgen

J.B. Wie beschreibt du die Entwicklung deiner Selbständigkeit? Mit welcher Idee hast du angefangen? Wo steht du heute?

A.R.

Vor der Gründung war ich 6 Jahre als Geschäftsführerin einer Beratungs- und Weiterbildungseinrichtung tätig.Mit den immer knapper werdenden Finanzen und der ständigen Verschlechterung der Rahmenbedingungen musste ich mich zunehmend auf das Überleben der Einrichtung konzentrieren. Auch wenn es gelang, den Konkurs mehrfach zu verhindern, so merkte ich, dass meine fachlichen Kompetenzen kaum noch zum Tragen kamen und dass ich mich nicht mehr weiterentwickelte. Einige der Arbeitsfelder, die ich inhaltlich über die Jahre verfolgt hatte, schienen auch für eine freiberufliche Tätigkeit geeignet (insb. Evaluation und interkulturelle Kommunikation). Genauso wichtig war sicher, dass ich auch vorher schon überregional, d.h. in verschiedenen Bundesländern und auf Bundesebene aber auch transnational gearbeitet und einen gewissen Bekanntheitsgrad als Person hatte – auch durch verschiedene Publikationen. Der Wunsch, das zu tun, was ich am besten kann, mich fachlich und persönlich „zu bewegen“, stand also im Vordergrund. Das ließ sich natürlich nicht immer durchhalten. Zwischenzeitlich gab es Phasen, in denen ich beinahe ausschließlich als Trainerin arbeiten musste, weil längerfristige Projekte fehlten und ich dennoch „das Überleben“ sichern musste und manche Themen, zu denen ich gerne weiter gearbeitet hätte, ließen sich nicht bis heute als Geschäftsfelder aufrecht erhalten. Wo stehe ich heute? Eigentlich genau da, wo ich hinwollte, denn ich habe sowohl längerfristige Projekte bzw. StammkundInnen, als auch wechselnde und neue Fragestellungen. Es hört sich vielleicht komisch an, aber es ist mir gelungen, als „Unternehmen“ nicht zu wachsen, was den Erhaltungsaufwand für eine „Firma“ gering hält und mir ermöglicht, wirklich fachlich zu arbeiten.

J.B. Mit einem Namen drückt ein Unternehmen seine Identität aus. Wofür steht der Name „proInnovation“?

A.R.

Mich hat schon immer am meisten beschäftigt, was im Wandel begriffen ist und ich war schon immer auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten. In der Vorstellung auf meiner Internetseite habe ich das mal so ausgedrückt: „proInnovation ist Name und Programm“ und gemeint ist, das ich Veränderungen mitgestalten möchte. Heute ist der Begriff der Innovation sicher ein bisschen abgenutzt und wird meistens im Sinne von technischen Neuerungen verstanden. Mir geht es natürlich um soziale Innovationen und das bedeutet für mich eine in mehrfacher Hinsicht gerechtere Gesellschaft.

J.B. Das ist ein hohes Ideal, von dem wir wahrscheinlich nie sagen werden: „Jetzt haben wir es vollständig erreicht.“ Welche konkreten Ziele hast du dir für deine Tätigkeit gesetzt? Wann würdest du von dir behaupten: „Ich war mit meiner Arbeit erfolgreich.“?

A.R.

Auf diese Frage möchte ich in zweierlei Hinsicht antworten, denn den Erfolg kann ich zum einen beschreiben im Hinblick auf das, was ich mit meiner Arbeit erreichen möchte und zum anderen in Bezug auf mein „Geschäft“, meinen unternehmerischen Erfolg. Ich fange mal mit dem Letzteren an. Bei der Gründung hatte ich mir vorgenommen, nach einer gewissen Zeit wenigstens soviel zu verdienen wie in meinem letzten Angestelltenverhältnis. Dies zu erreichen war deutlich schwerer bzw. hat erheblich länger gedauert, als ich erhofft hatte. Ich hatte unterschätzt, wie hoch die Kosten für die soziale Absicherung sind und hier insbesondere die Sicherung der Rente. Da ich noch mehr als 10 Jahre vor mir habe bis dahin, bleibt eine gewisse Unsicherheit, auch wenn das Ziel grundsätzlich erreicht ist. Da ich über viele Jahre hinweg Projekte im Bereich Existenzgründung für Frauen wissenschaftlich begleitet habe, ist mir bewusst, dass es typisch für Frauen ist, wenn sie wie ich nun sagen, dass die wirtschaftlichen Interessen nie im Vordergrund standen, sondern eben die Inhalte der Arbeit. Für mich ist es aber eben sehr motivierend, dass meine beruflichen Ziele mit meinen persönlichen übereinstimmen. Ich bin überzeugte Europäerin – trotz aller notwendigen Kritik – und freue mich daher zur europäischen Einigung einen kleinen Beitrag leisten zu können, sei es mit der Förderung der interkulturellen Kompetenz oder mit der Evaluation von Projekten in transnationalen europäischen Bildungsprogrammen. Ebenfalls seit mehr als 20 Jahren beschäftigt mich die Gleichstellung der Geschlechter und wenn ich einen Beitrag zur Weiterentwicklung entsprechender Strategien leisten kann (z.B. zum Gender Mainstreaming), dann macht mich das sehr zufrieden.

J.B. In deinem Portrait bezeichnest du deinen beruflichen Werdegang als „lebenslanges Lernen“. Was waren die wesentlichen Dinge, die du als freiberuflich arbeitende Beraterin, Evaluatorin und Gender Expertin gelernt hast bzw. lernen musstest?

A.R.

Auch hier gibt es zwei Arten von Antworten: die fachliche und die persönliche. Als Kandidatin des zweiten oder sogar dritten Bildungsweges ist mir wohl die ständige fachliche Aus- und Weiterbildung irgendwann in Fleisch und Blut übergegangen und auch der Wechsel von Berufsfeldern nichts wirklich Außergewöhnliches. Inzwischen besuche ich weniger organisierte Fortbildungen, da das Internet Zugang zu so vielen Lernmöglichkeiten bietet. Das ist nicht ganz so positiv wie es vielleicht klingt, denn der Druck ständig up-to-date zu bleiben kostet viel Zeit und Energie. Persönlich fiel mir zu Anfang die neue Rolle ziemlich schwer. Es kam mir so vor, als würde ich nicht meine Leistung sondern mich selbst anbieten müssen. Das Marketing wird ja sehr persönlich bei FreiberuflerInnen. Auch die Situation der Externen ist nicht immer einfach: man darf nicht zuviel und nicht zuwenig Distanz zur Auftrag gebenden Institution haben. Oft ist es auch schwer, die Anfragen zu enträtseln, denn nicht immer ist die gefragte Leistung auch wirklich die Lösung für das Problem der KundInnen.

J.B. Du arbeitest viel mit anderen Instituten, Organisationen und FreiberuflerInnen zusammen. Was ist dir an diesen Kooperationen wichtig?

A.R.

Das Wichtigste ist vielleicht, dass man in Kooperationen die eigenen Stärken pflegen kann und die Schwächen nicht mehr so fürchten muss, weil sie durch die Kompetenzen anderer ausgeglichen werden können. Zusammenarbeit mit anderen ist natürlich auch existenziell notwendig, denn alleine kann wohl niemand auf die Dauer mit den immer komplexeren Aufgaben fertig werden. Ich bevorzuge Kooperationen gegenüber der Beschäftigung von Angestellten, denn es gefällt mir besser auf gleicher Augenhöhe zusammen zu arbeiten. Im Laufe der Jahre habe ich natürlich auch schon – sehr wenige – schlechte Erfahrungen in Kooperationen gemacht, die mich aber gelehrt haben, dass man die eigenen Interessen deutlich machen und ggf. gegen Widerstand behaupten muss, wenn man nicht ausgenutzt werden will. Aber weit überwiegend macht es Spaß, die eigene Arbeit gemeinsam mit anderen zu entwickeln und zu reflektieren und erstaunlicherweise sind die meisten Kooperationen mehr- und sogar langjährig. Zu diesem Thema hat mir aber ein Ausspruch gut gefallen, dessen Quelle ich leider nicht mehr wirklich nachvollziehen kann: „Möglicherweise beginnen Individuen, die das Internet benutzen, sich selbst als hypertextuell zu empfinden – als Summe der Links all der unterschiedlichen Gemeinschaften, denen sie zu einem bestimmten Zeitpunkt angehören.“

JB: Ein spannender Gedanke.

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Neues aus den Projekten.

Im Arbeitsschwerpunkt Evaluation…

…ging im April 2008 eine lange Zeit der Beschäftigung mit der Existenzgründung von Frauen zu Ende: in den vergangenen 10 Jahren wurden zwei EQUAL Entwicklungspartnerschaften begleitet. Einerseits bin ich etwas wehmütig, denn es war und ist ein spannendes Thema, andererseits ist es natürlich auch interessant, sich nun neuen Themen zuzuwenden.

Inzwischen steht bei der Evaluation die Begleitung zweier Projekte im Programm Leonardo da Vinci im Mittelpunkt. Ich möchte hier weniger aus der Evaluationstätigkeit selbst berichten, sondern aus dem Alltag der Projekte.

Eines davon beschäftigt sich mit der Professionalisierung von in der sozialen Arbeit Tätigen (Relais 2). Bei einem Seminar in Saarbrücken hatte es die schwierige Aufgabe der Einbeziehung der Sozialpartner zu lösen. Lesen Sie dazu einen kleinen Artikel über die Schwierigkeiten (in einem transnationalen Zusammenhang) und wie man sie evtl. überwinden kann. Eine ausführliche Dokumentation des Seminars mit (fast) allen Redebeiträgen finden Sie in Deutsch und Französisch ebenfalls hier.

Seit Jahresbeginn 2008 bin ich mit der Evaluierung eines weiteren Leonardo Projektes beauftragt, bei dem es um die Erarbeitung einer europäischen Zertifizierung im Bereich der An- und Ungelernten im Bäder und Heilwesen geht (Thermalisme). Die Projektpartner kommen aus Frankreich, Rumänien und Bulgarien.

Besonders spannend ist für mich in diesem Projekt, dass hier u.a. auch die französische Methodologie zur „Anerkennung von in der beruflichen Praxis erworbenen Kompetenzen“ eingesetzt wird, denn in Deutschland sind diese Verfahren noch weitgehend unbekannt. Mehr…

 

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Im Arbeitsschwerpunkt Gender Mainstreaming…

…ist das gewichtigste Projekt „Gender Mainstreaming im Europäischen Sozialfonds ESF“ im Auftrag des baden-württembergischen Sozialministeriums (www.gem-esf-bw.de). Soeben wurde im Anschluss an die Förderung 2004 – 2008 das „Coaching – Begleitprojekt Gleichstellung der Geschlechter im ESF in BW“ bewilligt. Dem „alten“ Projekt wurde zum krönenden Abschluss noch europäische Anerkennung zuteil. Lesen Sie mehr dazu hier.

Wie früheren Newslettern immer wieder berichtet habe ich in Luxemburg die Gleichstellungspolitik im Auftrag des Ministeriums für Chancengleichheit beraten und begleitet. In den letzten 3 Jahren ging es hier v.a. um die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Gleichstellung und die Fortbildung der AkteurInnen, insbesondere der GenderKompetenzZellen und des interministeriellen Komitees.

Den Auftrag in Luxemburg habe ich im Sommer nach nunmehr 8 Jahren beendet. Vorher wurde noch ein wichtiges neues Projekt auf den Weg gebracht: Im Rahmen des europäischen Programms PROGRESS geht es um die Integration der Gleichstellungsperspektive in die Arbeit des Nationalen Verwaltungsinstituts und hier insbesondere in die Fortbildungen.

Die Arbeit in Luxemburg und insbesondere die Begleitung des Nationalen Aktionsplans war für mich sehr spannend, da in Deutschland ja häufig ein klar zielorientiertes Vorgehen fehlt. Auch die Einrichtung von GenderKompetenzZellen in allen Ministerien war ein Novum. Ähnlich wie überall sonst waren aber die Probleme: z.B. gelang die Einbeziehung der Führungskräfte nicht immer wie gewünscht; im nächsten Jahr sind auch in Luxemburg Wahlen und es ist zu hoffen, dass die neue Regierung die Gleichstellung der Geschlechter wieder auf die Tagesordnung setzt!

 

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Europäische Anerkennung: Das Projekt „Gender Mainstreaming (GeM) im ESF in Baden – Württemberg“ in Warschau als good practice bei einer Peer Review zur Diskussion gestellt

 

„Auffällig geworden“ war Baden – Württemberg durch das im Ländervergleich recht konsequent „gegenderte“ Operationelle Programm. Es folgte eine Einladung an proInnovation GmbH zu einer Präsentation im Dezember 2007 auf eine bundesweite Fachkonferenz, die unter Beteiligung einiger Bundesministerien in Berlin stattfand. Dort „entdeckte“ eine Sachverständige (Senior Gender Equality Expert Suzanne Seeland), die seit vielen Jahren die EU Kommission berät, die baden – württembergische Umsetzung von Gender Mainstreaming als europäische good practice, woraufhin eine Einladung nach Polen (Juni 2008) folgte.

Veranstalterin der Warschauer Konferenz war die „Gender Mainstreaming Community of Practice” http://www.gendermainstreaming-cop.eu/home, in der ESF Programmbehörden mit Gleichstellungsstellen und -expertInnen, politischen EntscheidungsträgerInnen etc. – finanziert von der EU Kommission - zusammenarbeiten. Die Tagung war als Peer Review organisiert – diese Methode stellte eine neue Erfahrung für uns dar. Dabei wird jeweils ein Arbeitsansatz als good practice vorgestellt und „peers“ kommentieren aus ihrer Sicht die in der Präsentation genannten Erfolgsfaktoren und Probleme und prüfen die Übertragbarkeit des Modells für ihr Land oder ihre Region.

Schon die Vorbereitung war recht spannend, galt es doch herauszuarbeiten, was das Besondere an der baden-württembergischen GeM-Implementierungsstrategie im Unterschied zu den anderen europäischen Modellen ist. In Warschau wurde dann letztlich zweierlei als besonders originell identifiziert:

1. das Coaching (neue Lernformen)

2. die prozesshafte Umsetzung unter Beteiligung aller Akteursgruppen des ESF.

 

Zu 1.:

Neue Lernformen Fortbildungen und Trainings sind wohl insgesamt neben Checklisten und Leitfäden die am häufigsten eingesetzten Umsetzungshilfen für GeM. Hier hat das Projekt in BW ja nicht „nur“ allgemeine Einführungs- und Sensibilisierungsworkshops zu bieten, sondern auch erprobte und thematisch gezieltere Seminare zur „Gender Didaktik“ und zu „Gender Mainstreaming im Projektmanagement“. Aber wirklich einzigartig sind wohl die Einzel- und Gruppencoachings, die zudem mit allen AkteurInnen des ESF durchgeführt werden, u.a. mit ESF AK Geschäftsführungen oder ganzen Arbeitskreisen, mit Trägervertretungen und Mitarbeitenden der L-Bank bis hin zur Fondsverwaltung selbst – und dies strikt bedarfs- und bedürfnisbezogen, also wirklich als konkrete Umsetzungshilfe. Das „Leitprinzip Gender Mainstreaming in 4 Schritten“ wird durchgängig eingesetzt, da es besser handhabbar ist als viele andere Instrumente, die in Europa zum Einsatz kommen. Allerdings ist letztlich das Instrument selbst nicht das Wichtigste. Ob aber ein Instrument (richtig) genutzt wird, und somit Gender Mainstreaming tatsächlich umgesetzt wird, hängt davon ab, dass die Anwendung immer wieder unter Begleitung von erfahrenen Gender ExpertInnen geübt wird – und eben dies leisten wir in den Coachings.

 

Zu 2.:

GeM als „geplanter Wandel“ Auch wenn überall vom Gender Mainstreaming PROZESS die Rede ist so wird die Umsetzung doch offenbar bisher nirgends wirklich als Prozess gestaltet. Daher traf das 4-Phasen-Modell des baden-württembergischen Projekts auf sehr großes Interesse, auch bei den anderen als peers geladenen ReferentInnen (Fondsverwaltung/Technische Hilfe Polens und Frankreichs und nationale EQUAL Agentur Portugals). Schnell wurde allerdings auch die Komplexität sichtbar, die es schwer macht, den Ansatz in kurzer Zeit hinreichend differenziert zu beschreiben. Aber nicht nur GeM Prozesse, sondern alle Veränderungsprozesse sind komplex (vergleichbar sind z.B. die Einführung von Qualitätsmanagementsystemen, von Öko-Audits, die Verwaltungsmodernisierung etc.) und werden durch den Einsatz von entsprechenden Verfahren erst handhabbar. Dies erfordert auch bei GeM eine langfristige Verpflichtung, denn der Transfer von Erfahrungen und Erkenntnissen muss auch über mehrere ESF-Förderperioden hinweg gewährleistet werden. Leider ist auch hier nicht der Raum, um das Modell ausführlich zu beschreiben, mehr Informationen finden Sie in den Berichten und in der Projektdokumentation http://www.proinnovation.de/gem/htm/100_ergebnisse.htm.

 

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Randnotizen

 

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