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Praxisbeispiele:

Coaching-Begleitprojekt
"Gleichstellung der Geschlechter im ESF in Baden-Württemberg"

Prozessbegleitung - Unterstützung bei der Implementierung von Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming als moderne und komplexe Reform-Strategie zur Erreichung von Geschlechtergerechtigkeit braucht neben bestimmten politischen, rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen Motivation, gendersensibles Problembewusstsein, Gender-Fachwissen und eine professionelle Prozessbegleitung, damit die systematische Integration in alle Verwaltungs- und Politikbereiche gelingt. Der konkrete Zweck der externen Unterstützung bezieht sich insofern auf den Prozess, auf allgemeine und auf spezielle Bildungs- und Projektentwicklungsmaßnahmen, die zur erfolgreichen Unterstützung von Führungskräften, Ansprechpersonen und MitarbeiterInnen durchzuführen sind.

Für die externe Begleitung werden demnach folgende Handlungsfelder empfohlen:

  1. Prozessbegleitung
  2. Projektberatung
  3. Qualifizierung

Zu 1. Prozessbegleitung

Im Umsetzungsprozess gehen wir von einem 4-Phasen-Modell aus.

 

Diagramm 4-Phasen-Modell

In komplexen Veränderungsprozessen hat sich die Kopplung von interner und externer Prozesssteuerung bewährt. (1) Die Einbeziehung der externen Expertise ermöglicht u.a.:

  • eine starke Zielorientierung
  • den Vergleich mit Gender Mainstreaming Prozessen anderswo
  • eine Sicherstellung der Machbarkeit durch bisherige Erfahrungen

Für die externe Prozessbegleitung werden folgende Arbeitsschwerpunkte vorgeschlagen:

  • Enge Kooperation mit den internen Steuerungsgremien (2)
  • Mitwirkung an Umsetzungsveranstaltungen, ggf. Moderation
  • Coaching und Beratung von Projektgruppen
  • Mitentwicklung übergreifender Verfahren.

Zu 2. Projektberatung

Aus den bundesweiten Erfahrungen geht die besondere Bedeutung der Definitionsphase von Projekten und Anwendungsvorhaben hervor. Es ist jeweils die konkrete Verantwortung zu klären, das Projekt zu präzisieren und in einer Projektskizze festzuhalten. Hier sind Aussagen nötig zu Gegenstand, Ziel, Methoden, Vorgehen, Arbeitsteilung etc. Die Anwendung der Instrumente (z.B. "4 Schritte" und "Bewertung der geschlechtsspezifischen Wirkungen") ist hier zu üben.

Die externe Projektberatung kann sich auf ein oder mehrere Anwendungsprojekte beziehen, deren Entwicklung durchgängig begleitet wird.

Weitere Möglichkeiten bieten sich durch den Einsatz von Flying Experts: in Projekten wird nach Bedarf Gender Fachwissen verfügbar gemacht (Fach- und Feldkompetenz).

Zu 3. Qualifizierungsmaßnahmen

Der Gender Mainstreaming Prozess ist fortlaufend durch Fortbildungen zu begleiten. Meist werden zuerst die Führungskräfte fortgebildet, oft noch vor Beginn des eigentlichen Prozesses. Es braucht aber weitere (einführende) Qualifizierungen für Fachkräfte, aber auch weiterführende und vertiefende Angebote für Teilnehmende bereits durchgeführter Qualifikationen und/oder Bearbeitung spezifische Themen unter der Genderperspektive (z.B. Führung, Stadtentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit).


(1)Damit wird einem Konzept der Prozessgestaltung gefolgt, das im Unterschied zur klassischen ExpertInnen-Beratung einerseits und langfristig angelegten Modellen der Organisationsentwicklung andererseits ein flexibles Management von Veränderungsprozessen ermöglicht. zurück zum Text

(2) Neben einem funktionierenden Top-Down-Prinzip braucht es ein hausinternes hochrangiges Lenkungsgremium , in dem die politische und fachliche Leitung zusammenwirkt. Zu den Aufgaben eines Lenkungsgremiums gehören u.a.:

  • Konzeptionelle und strategische Weiterentwicklung
  • Aktive Steuerung, Koordinierung, Vernetzung und Kontrolle des Gesamtprozesses (auch der Fortbildungen und der Kooperation mit der externen Begleitung)
  • Berichterstattung und Evaluation (= Bewertung der Ergebnisse)
  • Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation
  • Zentrale Projekte und Arbeitshilfen definieren und kommunizieren zurück zum Text

 

Die Prozessbegleitung: Workshops und Projektberatung

Das Gender-Institut Sachsen-Anhalt www.g-i-s-a.de hat im Auftrag der interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) ein umfangreiches Angebot zur Prozessbegleitung unterbreitet (1), das von vielen rege genutzt wird. In diesem Rahmen fanden auch Workshops zur Unterstützung beim Management der GeM - Anwendungsprojekte statt, die ich im Rahmen meiner Mitarbeit beim Gender Institut unter Federführung meines Kollegen Dr. Ronald Schulz mitgestaltete. Die beiden ersten Workshops trafen auf große Zustimmung der beteiligten Projektverantwortlichen und bestätigten den Bedarf an kontinuierlicher Prozessbegleitung. Bearbeitete Themen waren u.a.: Erfolgsfaktoren für die Umsetzung von Gender Mainstreaming, Prozessschritte bei der Projektgestaltung, Klärung der Rollen und Aufgaben Projektverantwortlicher, Arbeitsstand der Umsetzung von Gender Mainstreaming innerhalb der Landesregierung etc. Mit Hilfe einer Kraftfeldanalyse wurden fördernde und hemmende Bedingungen der Projektarbeit untersucht, in kollegialen Settings wurden die Projekte analysiert und (weiter) entwickelt.

Wir gehen davon aus, dass die erforderliche Gender Mainstreaming Kompetenz nur in einem längeren Prozess erworben werden und die Integration der Gender Perspektive in das Alltagshandeln nur prozesshaft gelingen kann.

Angesichts der noch neuen Organisationsform und des Komplexitätsgrades der Anforderungen ist hier eine systematische Unterstützung angemessen. Der Einsatz von Gender ExpertInnen, die mit der Umsetzung von Gender Mainstreaming andernorts Erfahrungen gesammelt haben, ermöglicht den Zugriff auf Expertise, die bisher nicht dokumentiert und anderweitig abrufbar ist.

Einige Projekte werden vom Gender - Institut Sachsen - Anhalt kontinuierlich einzeln beraten, eines davon von Dr. Ronald Schulz und Dr. Anne Rösgen. Es geht um die "Erarbeitung neuer Lehrpläne für die Grundschulen nach dem GeM Ansatz".

 

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