Liebe LeserInnen,
nach etwas längerer Pause möchten wir Sie heute wieder über unsere Arbeit – und das heißt auch über die Umsetzung von GeM im ESF in BW – informieren.
Über die Studie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben haben wir schon mehrfach berichtet und auch auf der letzten Fachtagung diskutiert. Nun liegt der Abschlussbericht mit sehr interessanten Empfehlungen für alle AkteurInnen des ESF vor und die KollegInnen von Sowitra haben die Ergebnisse für den Newsletter noch einmal zusammengefasst.
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Zum Thema „Projektplanung und –management und Gender Mainstreaming“ hat inzwischen erfolgreich ein Pilotseminar stattgefunden, hierüber berichtet Ute Wanzek. Wir glauben, dass diese Fortbildung, die sich an ProjektentwicklerInnen und Projektleitungen bei Trägern richtet gerade jetzt, zu Beginn der neuen Förderperiode des ESF mit den erhöhten Anforderungen an die Umsetzung von GeM sehr hilfreich sein kann und planen die Durchführung weiterer Seminare.
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Große Schritte vorangekommen ist zwischenzeitlich auch unser Projekt „Geschlechterdifferenzierende regionale Arbeitsmarktanalyse“ beim Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim (ifm). Die Daten für die Modellregionen Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg und Ravensburg liegen vor und werden zurzeit in Form von Stärken/Schwächenprofilen in den betreffenden ESF Arbeitskreisen präsentiert. Darüber – und wie es weitergeht schreibt Anne Rösgen.
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Wir wünschen eine spannende Lektüre und freuen uns über Rückmeldungen aller Art.
Beste Grüße
Ihr Gender Team von proInnovation GmbH
Die Expertise „Förderung der „Vereinbarkeit“ von Beruf und Privatleben für Männer und Frauen durch den ESF in Baden-Württemberg“ liegt vor und damit ein weiterer Meilenstein im Rahmen des Projekts „Gender Mainstreaming im Europäischen Sozialfonds" (GeM - ESF - BW) Coaching Begleitprojekt im Land Baden-Württemberg“.
Das Ziel dieser von den ExpertInnen von SowiTra durchgeführten Studie war die Entwicklung strategischer Umsetzungsempfehlungen dazu, wie das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer in der laufenden ESF-Förderperiode in Baden-Württemberg nachhaltig verankert werden kann. Ziel war es darüber hinaus, Maßnahmen zu identifizieren, die zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und zu einer verbesserten Vereinbarkeit von beruflichem und außerberuflichem Leben führen.
Die Expertise von SowiTra entwickelt dazu zunächst ein umfassendes Vereinbarkeitskonzept und stellt Bezüge zu entsprechenden Vorgaben auf Ebene der EU her. Dies wird mit der konkreten Situation in Deutschland verglichen. In einem Exkurs wird zudem das besondere Verhältnis von Männern und Vereinbarkeit nachgezeichnet. Daraufhin wird in anschaulicher Weise die Vereinbarkeitssituation in Baden-Württemberg anhand wesentlicher empirischer Daten skizziert.
Im Sinne einer Bestandsaufnahme widmet sich die Expertise ausführlich der Analyse der alten sowie der laufenden ESF-Förderperiode auf Programm- und Umsetzungsebene – immer aus vereinbarkeits- und gleichstellungspolitischer Perspektive. Daran anschließend entwickelt die Expertise für die aktuelle Förderperiode verschiedene Umsetzungsvorschläge, welche die Stoßrichtung der zukünftigen Arbeit der ESF-AkteurInnen verdeutlichen. Zum einen wird ein analytisches Raster vorgeschlagen, das den AkteurInnen bei der systematischen Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen behilflich sein soll – Beispiele verdeutlichen den Nutzen dieses Rasters für die Praxis. Zum anderen wird ein kreativer Ideenpool entworfen, mittels welcher Maßnahmen eine gleichstellungsorientierte Vereinbarkeit im Rahmen zukünftiger Projekte und Programme befördert werden kann.
Den Abschluss der Expertise bildet eine Zusammenstellung allgemeiner Hinweise und Empfehlungen, die bei der Umsetzung von ESF-Maßnahmen zur Verbesserung der geschlechtergerechten Vereinbarkeit unterstützend wirken.
Mit dieser Arbeit ist es gelungen, eine tragfähige Brücke zwischen der alten und der neuen Förderperiode zu bauen. Sie gibt den Akteuren des ESF in Baden-Württemberg zahlreiche Anregungen, wie sie den übergreifenden Zielen der Gleichstellung und der Vereinbarkeit von beruflichem und außerberuflichem Leben in ihrer Arbeit einen wesentlichen Schritt näher kommen können.
Sie können sich diese Expertise hier als pdf (520 kb) herunterladen.
Im Rahmen unseres Coaching-Begleitprojektes „Gender Mainstreaming im ESF in Baden-Württemberg“ haben wir ein Seminarangebot für Träger entwickelt, die ESF-Projekte in Baden-Württemberg konzipieren, planen und umsetzen.
Der Wunsch und der Bedarf, ein solches spezielles Fortbildungsangebot für Träger von ESF-Projekten zu entwickeln und zu erproben, geht auf die Gruppen-Coachings zum Gender Mainstreaming von Trägern unserer Modellarbeitskreise zurück. Bei der Anwendung des Gender Mainstreaming-Leitprinzips (4-Schritte-Methode) haben die MitarbeiterInnen selbst relativ früh festgestellt, dass ihre Projekte nur nicht NICHT GEGENDERT, sondern eben auch eine systematische Projektentwicklung häufig nicht gegeben war/en.
Projekte, auch und besonders im Rahmen des ESF, sollen einen Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter zu leisten. Dies ist mit der Strategie des Gender Mainstreaming und ihrer Instrumente möglich.
Diese Strategie als fachlich und gleichstellungspolitisch integrierten Ansatz systematisch anzuwenden bedeutet, dass bereits bei der Konzipierung von Projekten Aspekte der Geschlechtergerechtigkeit durchgängig berücksichtigt werden müssen. Dies wiederum kann nur gelingen, wenn auch das Projektmanagement prozessorientiert angelegt ist und in allen Phasen die Gender-Perspektive eingenommen wird. Das beginnt bei der exakten geschlechterdifferenzierten Beschreibung der Ausgangssituationen und Problemlagen im Interventionsfeld des Projektes, der Herausarbeitung des fach- und gleichstellungspolitischen Handlungsbedarfes, der hierauf fußenden Entwicklung von fachlichen und gleichstellungsbezogenen Zielen, der gender-sensiblen methodisch-didaktischen Umsetzung, Ressourcenplanung, der geschlechtergerechten Personalauswahl etc.
Ziel der Fortbildung ist es demnach Projektmanagementkompetenzen in Verbindung mit Gender-Aspekten auszuprägen. Damit soll ein Beitrag dazu geleistet werden, die Qualität von Projekten im ESF insgesamt weiter zu entwickeln, was die systematische Umsetzung des Querschnittsziels Gleichstellung von Frauen und Männern“ einschließt.
Das Workshopangebot richtet sich vorrangig an Projektentwickler/innen sowie an (zukünftige) Projektleiter/innen von ESF-Projekten.
Grundkenntnisse zum Gender als Konzept und zum Gender Mainstreaming als Strategie werden einerseits als eine gute und notwendige Voraussetzung angesehen, werden aber auch elementar im Seminar vermittelt.
Für diejenigen Projekte, die schon weiter fortgeschritten bzw. vor dem Abschluss sind besteht die Möglichkeit, die angewendeten Methoden des Projektmanagements und ihren Einfluss auf die bereits erzielten Ergebnisse und gewonnen Erfahrungen zu reflektieren. Ziel ist es auch, bei der Entwicklung neuer Projekte, die Anforderungen an eine systematische Projektabwicklung von Beginn an zu berücksichtigen.
Am 27. und 28. Juni dieses Jahres haben wir nun diese Fortbildung mit Trägern der Modellarbeitskreise Mannheim und Karlsruhe erstmals durchgeführt. Teamer/innen waren Ute Wanzek (Gender-Team im Projekt GM-ESF-BW) und Dr. Michael Funke (Organisationsberater und Gender-Trainer). Wie wir dem Feedback der Teilnehmerinnen (leider haben nur Frauen das Angebot angenommen) entnehmen konnten, ist unser Konzept sehr gut aufgegangen:
In einem ersten Workshopteil werden die Grundkenntnisse einer erfolgreichen Projektabwicklung unter Gender – Mainstreaming - Aspekten vermittelt und erarbeitet. Grundlagen zum Gender Mainstreaming werden gelegt.
In einem zweiten Teil wird dann ein tiefer gehendes Verständnis für die planmäßige Initiierung, Gestaltung und Führung von Projekten unter Anwendung des Gender Mainstreaming-Leitprinzips (4-Schritte-Methode) konkret ausgeprägt.
Die Teilnehmenden haben Gelegenheit, an Hand ihrer eigenen Projekte (bzw. Projektideen) Erkenntnisse zu gewinnen und in konkreter Anwendung zu erproben.
Dabei steht die Fortbildung auf 3 Säulen, denen in beiden Teilen des Seminars gefolgt wird:
1. Säule |
2. Säule |
3. Säule |
Kompetenzen |
Umsetzung von |
Anwendung in der |
Die Teilnehmenden äußerten einmütig, dass ihre wesentliche Erkenntnisse darin bestehen, dass
Besonders gut fanden die Teilnehmenden den Wechsel zwischen vielfältigen Übungen, Vorträgen und der Möglichkeit sowohl untereinander als auch mit den Teamern/innen zu diskutieren sowie praktischer Arbeit an eigenen Projekten. Zu letzterem wird ein mehr an Zeit gewünscht, um Projekte zu entwickeln und ausreichend zu diskutieren.
Zusammenfassend kann eingeschätzt werden, dass der Zugang und das Verständnis zu Gender Mainstreaming über die Prinzipien eines prozessorientierten Projektmanagements eine sehr erfolgreiche Art Ausprägung von Gender-Kompetenz als Handlungskompetenz darstellt, weitere Seminare sollen folgen.
In der letzten Förderperiode war von Seiten der Träger immer wieder kritisiert worden, dass sie den Anforderungen im Hinblick auf Gleichstellung nur begrenzt gerecht werden können, so lange die ESF Arbeitskreise hier keine Vorgaben machen. Dies stieß dort durchaus auf Verständnis, allerdings fehlten die entsprechenden nach Geschlecht differenzierten Daten.
In der neuen Förderperiode werden nun neue Anstrengungen unternommen, regionale gleichstellungsorientierte arbeitsmarktpolitische Strategien zu entwickeln.
Das ifm hat die Daten für MA, KA, HD und RV zusammengetragen und entlang vorher festgelegter Indikatoren interpretiert. Hierbei geht es um den Umfang und die Form der Beteiligung von Frauen und Männern am Erwerbsleben, wobei an vorderster Stelle Fragen der Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit sowie des Übergangs zwischen Schule und Beruf, aber auch die zeitlichen Dimensionen der Erwerbsbeteiligung, Berücksichtigung finden. Darüber hinaus werden Faktoren untersucht, die die horizontale Segregation am Arbeitsmarkt beschreiben, wozu insbesondere die Verteilung der Geschlechter auf die Berufsfelder und Branchen zählt. Die geschlechtstypische Berufswahl bzw. die horizontale Segregation haben weitreichende Konsequenzen für den Status von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt. Dies lässt sich u.a. an den Chancen erkennen, die Frauen- bzw. Männerberufe im Hinblick auf Führungspositionen und höhere Einkommen bieten. Ein weiterer Untersuchungsbereich umfasst Faktoren, welche sich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. mit den Chancen der Umsetzung einer work-life-balance befassen.
Beim ifm werden Datenbände erstellt und den Arbeitskreisen zur Verfügung gestellt. Für die Modellregionen wurden Besonderheiten herausgearbeitet und die Stärken und Schwächen werden in den ESF AK präsentiert. Entsprechende Veranstaltungen haben in MA, KA und HD schon stattgefunden, die in RV ist für Oktober geplant. Im Anschluss erarbeiten die ESF AK erste Diskussionspapiere zu einer regionalen Strategie, um die ja auch das Sozialministerium schon gebeten hat – einige wenige liegen bereits vor.
Die Umsetzung der Analyse in entsprechende Konzepte ist aus mehreren Gründen nicht ganz einfach. Für viele Arbeitskreise ist die gemeinsame Entwicklung einer Strategie neu und erfordert Aushandlungsprozesse der verschiedenen (Ko-) Finanziers über die Schwerpunkte. Nicht alle verfügen schon heute gleichermaßen über die notwendige Gender Kompetenz und zudem müssen sich die regionalen Konzepte in die landesweite Umsetzung, d.h. das Operationelle Programm „fügen“.
Daher ist davon auszugehen, dass die Erarbeitung der Strategien prozesshaft erfolgen wird und dass Beratung und Begleitung erforderlich sind, die von unserem Projekt auch angeboten werden. Eine Hilfe können auch hier wieder die 4 Schritte sein.
Nach der Runde mit den ESF Modellarbeitskreisen werden auch den anderen AK geschlechterdifferenzierte Daten durch das ifm zur Verfügung gestellt, die dann in eine gleichstellungsorientierte arbeitsmarktpolitische Strategie gegossen werden. Da die Entwicklung von Gender Kompetenz, wie sie in den Modell AK in den letzten Jahren stattgefunden hat, in den übrigen AK nicht vorausgesetzt werden kann, ist ein anderes Vorgehen als bisher notwendig. Wie das genau aussehen kann, ist aber sicher erst mit dem tatsächlichen Beginn der neuen Förderperiode zu klären.
Soweit uns bekannt ist, ist BW das einzige Bundesland, das regionale geschlechterdifferenzierende Daten zur Verfügung stellt. Mit der Umsetzung in regionale gleichstellungsorientierte Strategien wird ebenfalls Neuland betreten und wir freuen uns auf den spannenden Prozess und die Möglichkeit, diesen zu unterstützen und zu begleiten.
Brigitte Maas c/o pro Innovation GmbH
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