Liebe LeserInnen,
der Newsletter erscheint ab sofort in neuer Form – online sozusagen. Dafür gibt es viele Gründe, der wichtigste ist, dass angehängte Dateien immer in SPAM Verdacht geraten und oft im Junkmail Ordner landen. Außerdem wurde die Druckversion doch eher selten genutzt und inzwischen scheinen auch die technischen Voraussetzungen (DSL) überall gegeben zu sein. Es hat außerdem den Vorteil, dass wir die Beschränkung auf zwei Seiten und damit auf extrem kurze Texte wenigstens ein wenig lockern können – aber wir versprechen auch weiterhin knappe und leicht verständliche Darstellungen!
Diese Ausgabe ist eine Nachlese zu unserer 4. Fachtagung am 18.4.07 in Stuttgart.
Wir sind stolz auf die TeilnehmerInnenzahl von 139, aber etwas enttäuscht über die leicht gesunkene männliche Beteiligung (36, also rund 26 %). Von 37 Personen – also von fast einem Viertel der TeilnehmerInnen - haben wir eine schriftliche Rückmeldung erhalten und können daraus tendenziell die Bewertung ableiten.
Die Tagung hat die Gesamtnote „gut“ bekommen und der Vortrag der Kollegen von SowiTra und die Foren 3 und 4 wurden noch deutlich besser bewertet! Gelobt wurde „das Konkrete“, der Fach- und Erfahrungsaustausch, der Gesamtrahmen und die Organisation sowie die Qualität der Inhalte! Bemängelt wurde, dass es am Vormittag zu viele Vorträge gab und teilweise die Geschwindigkeit, mit der sie vorgetragen wurden. Aus den Aussagen im Fragebogen zu „Anregungen, die aus der Fachtagung mitgenommen wurden“ können wir schließen, dass unsere wesentlichen Botschaften angekommen sind, z.B.:
Es wurde gemahnt:
Bei dieser Tagung gab es nur noch einige wenige Teilnehmende, die Gender Mainstreaming „nebulös“, zu abstrakt oder zu allgemein finden und auch wenn die Zahl deutlich abgenommen hat, so nehmen wir diese Äußerungen als Ansporn, auch in Zukunft auf die Praxisnähe zu achten.
Und es wurde dafür plädiert, weitere Fachtagungen durchzuführen – wir versprechen gerne eine weitere in 2008 und geloben, einen Vortrag weniger am Vormittag!
Wir möchten uns noch einmal ausdrücklich bei allen Mitwirkenden für ihr großes Engagement bedanken, insbesondere bei den „externen“ KollegInnen, die Vorträge gehalten und moderiert und damit ganz wesentlich zum Erfolg der Tagung beigetragen haben!
Frau Köchel, Referatsleiterin Frau, Wirtschaft, Technik, hob in ihrem Grußwort u.a. hervor, dass es in der neuen Förderperiode auch in ihrem Hause nicht mehr ohne einen „Gender Check“ gehen werde – wie auch immer dieser dann aussehen werde. Sie kündigte an, dass sich die Ministerien zum Thema Gleichstellung stärker abstimmen werden und sie forderte zum Rückgriff auf die durch das Projekt bereits gemachten Erfahrungen auf.
Dr. Anne Rösgen von proInnovation GmbH und Leiterin des Coaching- Begleitprojektes „GeM im ESF in BW“ stellte in ihrem Vortrag hauptsächlich die gleichstellungspolitische Ausrichtung des ESF Programms 2007 – 2013 vor (das sog. Operationelle Programm – OP) – was in der Kürze der Zeit eine echte Herausforderung war! Sie wies aber auch darauf hin, dass mit diesem OP zwar gute Voraussetzungen für GeM gegeben seien, dass aber noch einige Hürden zu nehmen seien.
Ein Knackpunkt wird dabei die Frage nach der Verbindlichkeit von GeM im Antrags- und Bewilligungsverfahren sein und dem widmete sich am Nachmittag das sehr gut besuchte Forum 2: GeM als k.o. Kriterium bei der Projektbewilligung? Bei mehreren Runden einer engagierten pro & contra Diskussion stellte sich heraus, dass die BefürworterInnen eindeutig in der Mehrzahl waren. Es bestand aber auch große Einigkeit darüber, dass es noch an einigen wichtigen Voraussetzungen dafür fehle.
Mit Frau Schneider – Bodien von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände war ein für die „ESF Szene“ eher ungewöhnlicher Gast geladen. Auch dürften Hintergrund und Inhalte des vorgestellten Aktionsrahmens von europäischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften dürften für die meisten TeilnehmerInnen gänzlich neu gewesen sein.
Im Forum 1 stand die Referentin dann zur Diskussion zur Verfügung und hier war die – wechselseitige – Fremdheit dann doch deutlich zu spüren. Aber auch wenn es zunächst schwer fiel, so konnten doch einige gemeinsame Anknüpfungspunkte gefunden und debattiert werden.
Frau Hohloch vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e.V. in Tübingen präsentierte die Studie aus dem Projekt diana. Diese kam zu dem Ergebnis, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zwar so schlecht nicht sind, aber dass es in der Praxis problematische Muster im Umgang mit der Genderfrage gibt. Vielen blieb hier v.a. die sog. „Präambelstrategie“ im Gedächtnis. Frau Hohloch hat ihren Vortrag aus Zeitgründen nur stark gekürzt präsentieren können, wir empfehlen jedoch sehr, die interessante Langfassung nachzulesen.
Stefan Reuyß und Karsten Kassner vom Institut SowiTra haben am Vormittag erste Ergebnisse ihrer Studie zum Thema vorgestellt und am Nachmittag im Forum 3 weiter vertieft. Ihre zentrale Botschaft war: Wenn die Vereinbarkeitssituation von Frauen und von Männern nachhaltig verbessert werden soll, müssen entsprechende Maßnahmen sowohl bei den Personen als auch bei den Strukturen ansetzen. Konkret bedeutet das: Nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer braucht es Förderansätze. Diese müssen aber geschlechtsspezifisch unterschiedlich ausgestaltet sein und gerade Männern niedrigschwellige Angebote machen. Nur so lassen sich Männer verstärkt für Aufgaben jenseits der Berufsarbeit gewinnen. Beiden Geschlechtern würde zudem eine Verbesserung struktureller Rahmenbedingungen zugute kommen. Hier geht es zum einen um betriebliche Aspekte, insbesondere um die Gestaltung der Arbeitszeit. Zum anderen braucht es eine verbesserte öffentliche Betreuungsinfrastruktur. Schließlich müssen sich aber auch kulturelle Leitbilder bei Männern wie bei Frauen verändern, damit für beide Geschlechter selbstverständlicher wird, sowohl einer Erwerbsarbeit nachzugehen als auch für Familie und Haushalt da zu sein.
In Forum 3 war Platz, hierüber ausführlicher zu diskutieren und eigene Ideen zu entwickeln. Das Forum war mit etwas über zwanzig Teinehmenden gut besucht – worunter sich leider nur ein einziger Mann befand. Allein das zeigt die Notwendigkeit, hier immer wieder neue Wege zu finden, auch Männer verstärkt anzusprechen und für das Thema zu gewinnen. Wie das im Rahmen der ESF-Förderung in der neuen Förderperiode gehen könnte, war Schwerpunkt der intensiven Arbeitsgruppen-Arbeit im Forum.
Im Forum 4 gab Frau Schreyer – Schubert aus dem Projekt diana eine Einführung in das Gender Auditing, mit dem der Grad der Umsetzung und die Qualität von GeM in Organisationen gemessen werden kann. Die Teilnehmenden sahen dies als ein sinnvolles Instrument an und hielten es langfristig für wünschenswert, dass Gender Audits Bestandteil jeglicher Auditverfahren werden.
Wir werten die Tagung als Erfolg – nicht nur wegen der hohen Beteiligung, sondern auch wegen der vielen Anregungen und Ideen, die zu den verschiedenen Themenbereichen entwickelt und diskutiert wurden. Wir – alle - haben uns damit einen gewissen Vorlauf für die neue Förderperiode erarbeitet und können also guter Hoffnung sein, dass es in und mit dem ESF 2007 – 2013 eine „verstärkte Gleichstellung der Geschlechter“ geben wird!
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