FAQ - häufig gestellte Fragen
Antwort 6:
- Die beiden Konzepte haben eine unterschiedliche Herkunft .
Diversity Management stammt aus den USA und wird in Europa v.a.
im betrieblichen Bereich und hier über die multinationalen
Konzerne verbreitet. Gender Mainstreaming (GeM)
stammt ursprünglich aus der gleichstellungsorientierten
Entwicklungspolitik und gelangte über die UNO in die EU
und richtet sich im wesentlichen auf den öffentlichen Sektor.
- Die beiden Konzepte haben unterschiedliche Ziele Diversity
Management will die "Vielfalt" zur Erzielung
von Wettbewerbsvorteilen berücksichtigen (Belegschaften
werden ethnisch diverser, älter, weiblicher ...; Integrationsprobleme
verursachen Leistungsminderung etc. Beim Gender Mainstreaming
geht es um Geschlechtergerechtigkeit.
- Gender Mainstreaming bezieht
sich ausschließlich auf die Diskriminierung wegen des
Geschlechts - Diversity Konzepte berücksichtigen
neben der Kategorie Geschlecht systematisch Alter, Ethnie,
Behinderung, Status, familiäre Situation, religiöse
und sexuelle Orientierung usw. Allerdings werden Männer
und Frauen auch beim Gender Konzept keineswegs als homogene
Gruppe betrachtet. Das Gender Konzept hält allerdings " Gender " für
die "ultimative kulturelle Differenz", die alle anderen
Unterschiede transzendiert. Eines darf allerdings nicht verwechselt
werden: die Zugehörigkeit zu einer Geschlechtergruppe
stellt nicht immer den primären Diskriminierungstatbestand
dar. Besonders Afrikanerinnen haben hierauf schon lange hingewiesen.
Aber auch wenn Herkunft oder Zugehörigkeit zu einer Ethnie
von größerer Bedeutung sein können als das
Geschlecht, so unterscheiden sich doch alle Gruppen AUCH nach
dem Geschlecht. Diversity Konzepte
stellen die Merkmale meistens mehr oder weniger nebeneinander
und daher ist die Gefahr der Beliebigkeit groß.
Neben den Unterschieden gibt es aber auch Gemeinsamkeiten zwischen
den Konzepten. Wie oben zu gezeigt wurde, wird beim Diversity Konzept
zwar häufig mit den (betriebs)wirtschaftlichen Interessen
argumentiert, aber bei nicht verkürzten Ansätzen gibt
es auch hier Antidiskriminierungsziele. Beim Gender Mainstreaming
Konzept stehen zwar die Gerechtigkeitsargumente im Zentrum, aber
bei genauerem Hinsehen finden sich auch hier wirtschaftliche Interessen:
"Wäre es nicht ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit, wäre
die Gewährleistung der Chancengleichheit für Frauen und
Männer im Bereich der Beschäftigung ein wirtschaftliches
Gebot. (...) Die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frau war
ein entscheidender Faktor für das Wirtschaftswachstum in Europa.(...)" (
Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2001, S. 15).
Weitere Gemeinsamkeiten:
- Beide Konzepte betonen die Chancen von "Diversity",
(die allerdings nur mit einer entsprechenden interkulturellen
Kompetenz genutzt werden können).
- Beide Ansätze haben die Organisationsentwicklung
und die Notwendigkeit der Veränderung der Organisationskultur
im Blick:
"Der noch weit verbreitete Ist-Zustand in Unternehmen, Verwaltungen und anderen
Organisationen ist dadurch charakterisiert, dass dort zwar Frauen und Männer
(sowie Alte und Junge, Menschen verschiedener Nationalität, ethnischer
Zugehörigkeit
usw.) arbeiten. Aber es gibt dort auch eine sog. "dominante Gruppe" bzw. ein "homogenes
Ideal (...). Das sind Männer, denen in der Regel eine Frau Hausarbeit
und Kinderbetreuung abnimmt, so dass sie ihrem Arbeitgeber 150-prozentig zur
Verfügung
stehen. Diese dominante Gruppe besetzt nicht nur die Mehrzahl der Führungspositionen
(...), sondern sie bestimmt auch maßgeblich die Werte, Normen und Regeln,
die in der Organisation gelten. Das heißt: Sie prägt die Organisationskultur.
Deshalb wird von einer "monolithischen" (...) oder "monokulturellen" (...)
Organisation gesprochen. Als Soll-Zustand und Leitbild des Kulturwandels wird
dieser die "multikulturelle
Organisation" gegenübergestellt. In einer multikulturellen Organisation
gibt es (Werte-)Pluralismus, sind alle Beschäftigten(gruppen) vollständig
integriert, und zwar sowohl strukturell, d.h. in allen Positionen und auf allen
Hierarchieebenen repräsentiert, als auch in den informellen Netzwerken.
Weiterhin gibt es keine Vorurteile und Diskriminierungen und keine Konflikte
zwischen den verschiedenen Beschäftigtengruppen, weshalb sich alle Beschäftigten
gleichermaßen mit der Organisation identifizieren und ungehemmt leisten
können und wollen (...). Mit anderen Worten: In einer multikulturellen
Organisation ist Chancengleichheit (nicht nur) der Geschlechter realisiert." Krell,
Gertraude (Hrsg.) Chancengleichheit durch Personalpolitik, 2001, S. 20
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