Hier ist in der Tat ein Dilemma angesprochen und es gibt keine einfachen Lösungen. Dazu ein Auszug aus dem "Handbuch Gender Mainstreaming in der Regionalentwicklung (1)"
Die strategische Perspektive von Gender Mainstreaming
Gender Mainstreaming wird häufig verstanden als die Berücksichtigung der unterschiedlichen Situationen und Bedürfnisse von Frauen und Männern. Es geht aber nicht nur darum, unterschiedliche Bedürfnisse von Frauen und Männern zu berücksichtigen. Bleibt man bei diesem ersten Schritt stehen, tappt man leicht in zwei Fallen:
zum Beispiel
Teilzeitarbeit berücksichtigt das Bedürfnis
von Frauen, Familie und Beruf leichter vereinbaren zu können,
und wird deshalb häufig zur Förderung der Berufstätigkeit
von Frauen propagiert. Im derzeitigen Beschäftigungssystem
ist Teilzeitarbeit jedoch mit geringerem Einkommen und schlechteren
Berufs- und Aufstiegschancen verbunden, weshalb dadurch die Schlechterstellung
der Frauen fortgeschrieben wird. Gleichzeitig wird die Alleinverantwortlichkeit
der Frauen für Familie und Haushalt trotz Erwerbstätigkeit
nicht in Frage gestellt.
Daher gilt es nicht nur, unterschiedliche Situationen, Probleme und Bedürfnisse wahrzunehmen, sondern auch zu hinterfragen, was die Ursachen für diese Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind: welche gesellschaftlichen Strukturen ihnen zugrunde liegen, durch welche Mechanismen sie fortgeschrieben werden und welche Konsequenzen sie für Frauen und Männer haben.
Gender Mainstreaming beinhaltet deshalb immer eine strategische Perspektive , die nicht nur pragmatisch auf Bedürfnisse von Frauen (die aus bestehenden Benachteiligungen resultieren) eingeht, sondern strategisch auf die Veränderung der Strukturen zielt, die Ungleichheiten hervorbringen. Eine strategische Perspektive heißt, das Mögliche und das Wünschenswerte gleichzeitig zu denken und in kurz- wie langfristiger Perspektive zu handeln.
(1)Pimminger, Irene, Wien 2001, S. 17f (zur Textstelle)